Das gewaltige Rettungspaket für den Euro kann die Finanzmärkte weiterhin nicht beruhigen: Die europäische Gemeinschaftswährung fiel am Freitag auf den tiefsten Stand seit November 2008. Auslöser waren neben Zweifeln am Erfolg der rigiden Sparmaßnahmen in Europa neue Sorgen um den Zustand der spanischen Wirtschaft.
In Spanien kam die Angst vor einer Deflation auf, nachdem die sogenannte Kernrate der Teuerung, die ohne die schwankungsanfälligen Preise vor allem für Energie oder Lebensmittel berechnet wird, im April um 0,1 Prozent im Jahresvergleich sank. Eine Deflation – also sinkende Preise – gilt als schädlich, weil die Wirtschaft dadurch in eine Abwärtsspirale mit sinkender Produktion und wachsender Arbeitslosigkeit geraten kann. Und die spanische Wirtschaft mit ihren geringen Wachstumsraten ist jetzt schon ein Sorgenkind in Europa. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero räumte ein, die für 2011 angepeilte Wachstumsrate von 1,8 Prozent werde nicht erreicht.
JEDE MELDUNG WIRD DERZEIT GEGEN EUROPA INTERPRETIERT
Der Euro sank am Freitagnachmittag bis auf 1,2422 Dollar. Offensichtlich hätten viele Anleger trotz der jüngsten Sparanstrengungen von südeuropäischen Ländern Zweifel an den langfristigen Perspektiven der Eurozone, sagte Rainer Sartoris vom Bankhaus HSBC Trinkaus. “Jede Meldung wird derzeit gegen die Eurozone interpretiert.”
Die EU hatte am Wochenende einen 750 Milliarden Euro umfassenden Rettungsschirm für schwache Euro-Länder beschlossen und hofft, damit den Druck vom Euro zu nehmen. Es werden jedoch immer wieder Zweifel an den Maßnahmen laut und daran, ob Griechenland die Schuldenkrise letztendlich bewältigen kann.
ACKERMANN GIESST ÖL INS FEUER – SINN KRITISIERT REGIERUNG
So hatte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zusätzlich Öl ins Feuer gegossen. In der ZDF-Sendung “Maybrit Illner” sagte er am Donnerstagabend: “Ob Griechenland über die Zeit wirklich in der Lage ist, diese Leistungskraft aufzubringen, das wage ich zu bezweifeln.” Zugleich betonte der Chef der größten deutschen Bank, Griechenland müsse stabilisiert werden. Wenn das Land fiele, würde die Krise mit großer Sicherheit auf andere Länder übergreifen und könnte zu einer Art Kernschmelze führen. Es müsse auch alles getan werden, um eine Umschuldung zu vermeiden. Bei einer Umschuldung würden Geldgeber Griechenlands, darunter deutsche Institute, auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.
Der ifo-Chef Hans-Werner Sinn warnte unterdessen vor gefährlichen Folgen des Euro-Rettungspakets und kritisierte das Vorgehen der Bundesregierung. “Wir stürzen uns mit dem neuen Gewährleistungsgesetz in ein unkalkulierbares Abenteuer”, sagte Sinn der “Süddeutschen Zeitung” (Freitag). Europa drohe, “eine gewaltige Schuldenblase aufzubauen, die mit einem gewaltigen Knall platzen wird”. Aus seiner Sicht hätte sich Merkel gegen den Rettungspakt wehren müssen. “Der Pakt bedeutet nichts anderes, als dass Deutschland für die Schulden anderer Länder geradesteht”, sagte Sinn.
SPANIEN UND PORTUGAL WOLLEN SPAREN
Die beiden Problemländer Spanien und Portugal setzen inzwischen auf einen rigiden Sparkurs und einem Bruch mit der bisherigen Politik. Die spanische Regierung kürzt zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte des Landes die Gehälter von Ministern und Beamten. Auch Rentnern und Familien werden Opfer abverlangt. Portugal kündigte am Donnerstag überraschend Steuererhöhungen an, die Lissabon vor kurzem noch ausgeschlossen hatte. Die Gewerkschaften wollen mit Streiks protestieren.
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Es ist genüsslich, wie die Medien sich nun an der Aussage vom Herrn Ackermann aufregen (wollen). Doch wirklich Neues hat er ja nichts gesagt, die Lage ist wie sie ist:
“Die Einnahmen des Landes sind zu gering und die Ausgaben zu hoch; wenn Sie ein Produkt für 200 Euro verkaufen müssen, weil der Marktpreis nicht mehr erlaubt und Sie produzieren es für 300 Euro, weil die Kosten entsprechend hoch sind, dann machen Sie mit jedem Geschäft 100 Euro miese, dass frisst Ihr Kapital auf. Stellen Sie sich vor jemand leiht Ihnen nun 1000 Euro als Hilfskredit, was ändert sich? Nichts. Sie gewinnen etwas Zeit. Das Problem ist aber nicht gelöst ”
Quelle: http://www.start-trading.de/medien.htm
Die Investoren lassen sich nicht von Hilfsmaßnahmen beeindrucken. Eine Pleite ist, nicht nur für Griechenland, ist nicht abzuwenden. Ob mit dem Interview oder ohne.