Hamburg (dpa) – Eilig hat es Vanessa Paradis (37) nicht gehabt: 14 Jahre war sie erst alt, als sie mit «Joe Le Taxi» an die Spitze der Charts preschte, aber mehr als fünf Studio-Alben sind seitdem nicht herausgesprungen.
Das reicht dennoch für ein Doppel-Best-of-Album, das mit einigem raren Material (B-Seiten, Akustik-Versionen, Filmmusik) eine hervorragende Ergänzung zu den «Hits» ist. Darunter ein Duett mit Jane Birkin («La Ballade de Johnny Jane»), eine üppige Version des Cole-Porter-Klassikers «I Love Paris» (mit Akkordeon und großem Orchester) und eine düster-smarte Akustik-Adaption von «Marilyn & John», die zum Berührendsten gehört, was Vanessa Paradis in all den Jahren gemacht hat. Es sind ihre heimlichen Favoriten und Lieblinge, denen sie auf «Best Of» eine größere Beachtung wünscht.
Mit «Joe Le Taxi» begann zwar Vanessas Karriere, viel Freude hatte sie anfangs allerdings nicht an ihrer plötzlichen Berühmtheit. An eine Mauer in der Nähe ihrer Wohnung hatte jemand Nutte geschrieben, sie wurde angespuckt und von ihren Mitschülerinnen angefeindet, die inzwischen noch um einiges neidischer geworden sein dürften, seitdem Johnny Depp der Mann an Paradis’ Seite ist.
Eine akribische Arbeiterin ist sie trotz ihres Erfolges (auch als Schauspielerin) nie gewesen. Fast ein wenig beschämt gestand sie einmal in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung»: «Eigentlich bin ich eine Schande für meinen Berufsstand. Ich bin faul, ich habe nie Unterricht genommen, ich habe mich nie darum gekümmert, meine Talente in geordnete Bahnen zu leiten».
Brauchte sie auch nicht, denn alles lief immer bestens für die in Frankreich höchst verehrte Künstlerin, die immer auch ein Gespür für die richtigen Partner zu haben scheint. Den Lolita-Pop der Taxi-Zeit lenkte Chanson-Ikone Serge Gainsbourg, der für sie das Album «Variations» (1990) schrieb und produzierte, sogleich in die richtigen Bahnen. Retro-Rocker Lenny Kravitz, mit dem sie zeitweise liiert war, verschaffte ihr mit «Be My Baby» einen ordentlichen Hit.
Johnny Depp, der seit 1998 der Mann an Vanessas Seite ist, hat seine Spuren auf dem Psychedelia-Pop-Album «Bliss» (2000) hinterlassen, das einmal mehr Vanessa Paradis’ große Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellte. Danach ließ Frankreichs «süßeste Zahnlücke» sieben Jahre verstreichen, bis mit «Divinidylle» (2007) schließlich das vorerst letzte Studio-Album erschienen ist. Ein abwechslungsreicher Pop-Ausflug mit Retro-Touch – sehr sinnlich und immer auch ein wenig melancholisch.
Johnny Depp aber bleibt weiterhin in Vanessas Karriere involviert, der sie für «Divinidylle» nicht nur als Madonna malte, sondern für das neue Chanson «Il y a», mit dem «Best Of» beginnt, ein poetisch-geheimnisvolles und ein wenig bizarres Video gedreht hat, das zuweilen an die Poesie von Tim Burton («Alice im Wunderland») erinnert.
Mit der schwebenden Ballade «Varvara Pavlovna», der B-Seite von «Joe Le Taxi», schließt sich schließlich der Kreis dieser Übersichtsschau, die Bekanntes und Rares gekonnt mixt.
Video zu «Il y a»: dpaq.de/paradis






.............................................................................................. .. .








