Vanessa Paradis blickt zurück

Hamburg (dpa) – Eilig hat es Vanessa Paradis (37) nicht gehabt: 14 Jahre war sie erst alt, als sie mit «Joe Le Taxi» an die Spitze der Charts preschte, aber mehr als fünf Studio-Alben sind seitdem nicht herausgesprungen.

Das reicht dennoch für ein Doppel-Best-of-Album, das mit einigem raren Material (B-Seiten, Akustik-Versionen, Filmmusik) eine hervorragende Ergänzung zu den «Hits» ist. Darunter ein Duett mit Jane Birkin («La Ballade de Johnny Jane»), eine üppige Version des Cole-Porter-Klassikers «I Love Paris» (mit Akkordeon und großem Orchester) und eine düster-smarte Akustik-Adaption von «Marilyn & John», die zum Berührendsten gehört, was Vanessa Paradis in all den Jahren gemacht hat. Es sind ihre heimlichen Favoriten und Lieblinge, denen sie auf «Best Of» eine größere Beachtung wünscht.

Mit «Joe Le Taxi» begann zwar Vanessas Karriere, viel Freude hatte sie anfangs allerdings nicht an ihrer plötzlichen Berühmtheit. An eine Mauer in der Nähe ihrer Wohnung hatte jemand Nutte geschrieben, sie wurde angespuckt und von ihren Mitschülerinnen angefeindet, die inzwischen noch um einiges neidischer geworden sein dürften, seitdem Johnny Depp der Mann an Paradis‘ Seite ist.

Eine akribische Arbeiterin ist sie trotz ihres Erfolges (auch als Schauspielerin) nie gewesen. Fast ein wenig beschämt gestand sie einmal in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung»: «Eigentlich bin ich eine Schande für meinen Berufsstand. Ich bin faul, ich habe nie Unterricht genommen, ich habe mich nie darum gekümmert, meine Talente in geordnete Bahnen zu leiten».

Brauchte sie auch nicht, denn alles lief immer bestens für die in Frankreich höchst verehrte Künstlerin, die immer auch ein Gespür für die richtigen Partner zu haben scheint. Den Lolita-Pop der Taxi-Zeit lenkte Chanson-Ikone Serge Gainsbourg, der für sie das Album «Variations» (1990) schrieb und produzierte, sogleich in die richtigen Bahnen. Retro-Rocker Lenny Kravitz, mit dem sie zeitweise liiert war, verschaffte ihr mit «Be My Baby» einen ordentlichen Hit.

Johnny Depp, der seit 1998 der Mann an Vanessas Seite ist, hat seine Spuren auf dem Psychedelia-Pop-Album «Bliss» (2000) hinterlassen, das einmal mehr Vanessa Paradis‘ große Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellte. Danach ließ Frankreichs «süßeste Zahnlücke» sieben Jahre verstreichen, bis mit «Divinidylle» (2007) schließlich das vorerst letzte Studio-Album erschienen ist. Ein abwechslungsreicher Pop-Ausflug mit Retro-Touch – sehr sinnlich und immer auch ein wenig melancholisch.

Johnny Depp aber bleibt weiterhin in Vanessas Karriere involviert, der sie für «Divinidylle» nicht nur als Madonna malte, sondern für das neue Chanson «Il y a», mit dem «Best Of» beginnt, ein poetisch-geheimnisvolles und ein wenig bizarres Video gedreht hat, das zuweilen an die Poesie von Tim Burton («Alice im Wunderland») erinnert.

Mit der schwebenden Ballade «Varvara Pavlovna», der B-Seite von «Joe Le Taxi», schließt sich schließlich der Kreis dieser Übersichtsschau, die Bekanntes und Rares gekonnt mixt.

www.vanessaparadis.de

Video zu «Il y a»: dpaq.de/paradis

«Waffenstillstand» – deutscher Polit-Thriller über den Irakkrieg

Hamburg (dpa) – Irak, April 2004: Konsterniert schaut der erfahrene Kameramann (Hannes Jaenicke) den jungen Fernsehjournalisten (Max von Pufendorf) an, der für eine exklusive Story sogar bereit zu sein scheint, sein Leben aufs Spiel zu setzen.

Der ambitionierte Reporter will eine Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation (Thekla Reuten) und einen Arzt (Matthias Habich) während eines 24-stündigen Waffenstillstands nach Falludscha begleiten, die dringend benötigte medizinische Hilfsgüter in das Kriegsgebiet bringen. In seinem spannungsgeladenen Spielfilmdebüt «Waffenstillstand» schickt der deutsche Autor und Regisseur Lancelot von Naso seine Protagonisten in ein abenteuerliches Himmelfahrtskommando, das den Krieg hautnah aus der Sicht von Helfern und Journalisten schildert: radikal, riskant, realistisch.

Dieser pulsierende Polit-Thriller brachte dem deutschen Nachwuchstalent auf internationalen Filmfestivals diverse Auszeichnungen ein, darunter den Förderpreis Deutscher Film bei den 43. Hofer Filmtagen. Die Inspiration zu diesem Spielfilmprojekt lieferte ihm ein Zeitungsartikel über eine 27-jährige Frau, die im Irak während eines Waffenstillstands auf eigene Faust einen Hilfstransport organisiert hatte. «Das hat mich völlig fasziniert», erklärt von Naso, «denn meistens erfahren wir nur etwas über diese Menschen, wenn sie entführt oder geköpft werden». Der Filmemacher war fast ein halbes Jahr lang mit den Recherchen beschäftigt, bevor er mit seinen Co-Autoren Kai Uwe Hasenheit und Collin McMahon das Drehbuch entwickelte.

In einem voll beladenen Kleintransporter begibt sich die kleine Gruppe auf eine gewagte Odyssee von Bagdad nach Falludscha. Ihr irakischer Fahrer (Husam Chadat) chauffiert den Wagen, der hier zwischen den Fronten eine fahrende Zielscheibe abgibt, durch eine vom Krieg völlig zerstörte Landschaft. Auch innerhalb dieser Zweckgemeinschaft steigt in der bedrückenden Enge des Fahrzeugs der Stresslevel. Die grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten der unterschiedlichen Idealisten münden zunehmend in Streit, Unverständnis und Misstrauen. Trotz ihrer brodelnden Emotionen müssen sie als Team zusammenhalten, um in diesen umkämpften Gebieten überhaupt eine Überlebenschance zu besitzen.

Produziert wurde dieses ungewöhnliche Spielfilmprojekt in deutsch- schweizerischer Kooproduktion von Florian Deyle und Martin Richter von der Münchener Drife Filmproduktion («Shoppen»), Dario Suter, Christoph Daniel und Mark Schmidheiny von der Züricher DCM Mitte Productions sowie Klaus Dohle von der Erfttal Film- und Fernsehproduktion. «Da wir kein Geld hatten, um Häuser einzureißen oder Sets aufzubauen», berichtet der Regisseur, «sind wir monatelang durch Marokko gefahren und haben uns jede Ruine angeschaut.»

Die Dreharbeiten waren dort von Pleiten, Pech und Pannen geprägt. Zunächst wurde das Filmteam in der Wüste von einem mehrwöchigen Dauerregen überrascht, dann schnappten Paul Greengrass und Matt Damon der Low-Budget-Produktion sämtliche Motive weg. Obendrein erlitt von Naso an dem einzigen Sonnentag eine Lebensmittelvergiftung und konnte nur von einer Liege aus Regie führen. Hinzu kamen diverse Negativschäden, die am Ende weitere Drehtage erforderten.

Mit «Waffenstillstand» präsentiert von Naso ein erstaunliches Erstlingswerk, das durch ein intelligent ausgearbeitetes Drehbuch mit dramaturgisch geschickten Wendungen, klassisch inszeniertem Suspense-Aufbau und überzeugenden Darstellern besticht. In diesem psychologischen Kammerspiel hält der Regisseur seine Protagonisten atemlos in brisanten Situationen gefangen und fordert sie immer mehr dazu heraus, an ihre Grenzen zu gehen. Nervlich gerädert stranden sie psychisch wie physisch in einer Sackgasse, in der ihre Mission, andere Leben retten zu wollen, sich für sie selbst zu einem verzweifelten Überlebenskampf entwickelt. «Nachrichtensendungen zeigen meistens die Toten», resümiert von Naso. «Ein Spielfilm kann die Menschen zeigen, die übrig bleiben.»

OLG-Urteil: Kein «Sozialbonus» für Raser

Koblenz (dpa) – Ein Raser hat keinen Anspruch auf ein verringertes Bußgeld, nur weil er knapp bei Kasse ist. Er kann auch dann mit einer empfindlichen Geldbuße belegt werden, wenn er damit finanziell überfordert ist.

Das geht aus einem veröffentlichten Beschluss des Oberlandesgerichts (OLG) Koblenz. Zahlungsschwierigkeiten allein seien kein Grund, eine der Ordnungswidrigkeit angemessene Geldbuße herabzusetzen (Beschluss vom 10.3.2010 ­ 2 SsBs 20/10).

Mit seinem Spruch verhängte das Gericht gegen einen Raser eine Geldbuße von 300 Euro sowie ein einmonatiges Fahrverbot. Der Mann war 50 Stundenkilometer zu schnell gefahren. Als ihm die Geldbuße auferlegt wurde, erklärte er, da er nur 950 Euro verdiene, überfordere ihn die Strafe.

Das OLG ließ diesen Einwand nicht gelten. Es betonte vielmehr, maßgebend für die Höhe der Buße sei nicht in erster Linie die finanzielle Leistungsfähigkeit des Autofahrers, sondern die abschreckende Wirkung der Strafe. Einer eingeschränkten finanziellen Leistungsfähigkeit könne durch Zahlungserleichterungen – etwa einer Ratenzahlung – Rechnung getragen werden.

Das OLG-Urteil: dpaq.de/Urteil_Raser

OpenOffice Writer: Leerzeilen nach Tabellen einfügen

Meerbusch (dpa-infocom)- Eine Leerzeile hinter eine Tabelle zu platzieren, ist in der Textverarbeitung OpenOffice Writer recht verzwickt. Das Problem: Steht die Einfügemarke in der letzten Tabellenzelle, fügt die [Return]-Taste nur einen Zeilenumbruch innerhalb der Tabelle an.

Die Lösung gelingt mit einem Trick: Die Einfügemarke in die letzte Zelle der Tabelle setzen, dann die Tastenkombination [Alt]+[Return] drücken. Dadurch springt der Cursor aus der Tabelle und fügt darunter eine Leerzeile ein. Am Tabellenanfang funktioniert das auch. Steht die Einfügemarke in der ersten Tabellenzelle, ergänzt die Tastenfolge [Alt]+[Return] vor der Tabelle eine Leerzeile.

Mehr Computer-Tipps: www.schieb.de

Glaubwürdigkeit von Wikipedia-Artikeln prüfen

Meerbusch (dpa-infocom) – Wikipedias größter Vorteil ist gleichzeitig ein Knackpunkt des Onlinelexikons: Weil jeder Benutzer ohne Umstände Artikel hinzufügen, verändern oder löschen kann, kann es zu Manipulationen oder Fehlinformationen kommen.

Wie glaubwürdig ein Artikel ist, lässt sich mit der Firefox-Erweiterung «WikiTrust» erkennen. Das kleine Programm zeigt durch farbliche Markierungen, wie es um die Glaubwürdigkeit einzelner Passagen bestellt ist.

Leider gilt das noch nicht für alle Sprachen in Wikipedia; aber ist die Firefox-Erweiterung «WikiTrust» installiert, steht das neue Register «wikitrust» zumindest bei den Wikipedia-Ablegern aus Italien, Portugal, Polen, Dänemark und Frankreich zur Verfügung. Weitere Länder befinden sich in der Vorbereitungsphase.

Das Prinzip ist simpel: Ein Klick auf die «WikiTrust»-Registerkarte, und der Artikel erscheint farblich markiert, nach einer Art Ampelprinzip. Je niedriger die Vertrauenswürdigkeit des Autors eingestuft wird, desto dunkler sind Passagen eines Artikels orange unterlegt. Beispielsweise bewertet Wikitrust, wie oft und welche Verfasser Artikel oder Passagen gelöscht oder verändert haben. Für deutsche oder englische Seiten in Wikipedia gibt es den Vertrauens-Check allerdings noch nicht.

Informationen und Add-Ons zu Wikitrust: http://wikitrust.soe.ucsc.edu

Mails mit animierten Grafiken in Outlook öffnen

Meerbusch (dpa-infocom) – Seit Version 2007 fehlen im Mailprogramm Outlook die animierten GIF-Grafiken. Die Folge: Enthält eine E-Mail animierte Grafiken, etwa hüpfende oder winkende Smileys, lassen die sich nicht erkennen. Stattdessen präsentiert Outlook Standbilder.

Microsoft begründet das mit höherer Sicherheit. Denn ältere Versionen von Outlook nutzen, um Grafiken zu animieren, eine Funktion im Internet Explorer. Weil sich darüber aber Schadprogramme in den Rechner einschleusen lassen, wurde die Funktion mit dem Erscheinen von Outlook 2007 abgeschaltet.

Wer die bewegten Emoticons nicht missen will, holt sie sich mit diesem Trick wieder an Bord: Zunächst ein Doppelklick auf die E-Mail, damit sie sich in einem separaten Fenster öffnet. Um die Mail im Internet Explorer zu öffnen, in der Multifunktionsleiste auf «Andere Aktionen» sowie «Ansicht im Browser» klicken. Danach hüpfen und winken die lächelnden Emoticons wieder.

Mehr Computer-Tipps: www.schieb.de

Musik-Downloads fürs Handy werden billiger

Berlin (dpa) – Musik-Downloads für Handys werden immer billiger: Der Durchschnittspreis für einzelne Songs sei im vergangenen Jahr um zwölf Prozent auf 1,17 Euro gefallen, teilte der Branchenverband Bitkom am Mittwoch (31. März) in Berlin mit.

Im Jahr 2008 kostete das Herunterladen einzelner Titel im Schnitt noch 1,33 Euro. Allerdings geht das Geschäft mit Handy-Songs in Originallänge zurück. Mit sieben Millionen Euro lag der Umsatz 2009 um ein Fünftel unter dem Vorjahr. Jährlich werden rund sechs Millionen Songs auf Mobiltelefone geladen, wie eine GfK-Erhebung für den Verband ergab.

Für Klingeltöne geben die Deutschen dagegen immer weniger aus. Der Umsatz damit ging um 29 Prozent zurück, ist aber mit 27 Millionen Euro nach wie vor deutlich größer als für Handy-Downloads. Insgesamt 11 Millionen Klingeltöne wurden 2009 heruntergeladen, teilte der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) weiter mit. Im Aufwind ist dagegen das Geschäft mit Musik-Downloads auf PCs. 2009 wurden Songs und Musikalben im Wert von 112 Millionen Euro geladen, 40 Prozent mehr als im Vorjahr.

Bundesweit abschlagen für clubfreie Golfspieler

Wiesbaden (dpa/tmn) – Wer in Deutschland den Golfschläger schwingen möchte, muss in der Regel einem Club angehören. Oder er tritt der Vereinigung clubfreier Golfspieler bei.

Unter «vcg.de» stellt sich der eingetragene Verein aus Wiesbaden vor. Er ermöglicht seinen Mitgliedern gegen eine Jahresgebühr in Höhe von zuletzt 195 Euro den Gastspieler-Zugang zu gut 650 Plätzen. Dort ist dann lediglich die sogenannte Greenfee zu entrichten. Auf seiner Webseite informiert der VcG detailliert über diese Anlagen.

Nutzer können nach Golfplätzen im näheren oder weiteren Umkreis ihres Heimatortes suchen und sich gegebenenfalls gleich die Anfahrtsroute berechnen lassen. Wer noch keine Platzreife hat, kann nach den Orten und Terminen der Prüfungen suchen, die der VcG nach den Kriterien des Deutschen Golf Verbandes (DGV) anbietet. Zum Vorbereiten darauf gibt es direkt auf der Webseite ein Regelquiz. Und in einem Newsticker erscheinen aktuelle Nachrichten aus der Welt des Golfsports.

Vereinigung clubfreier Golfspieler: www.vcg.de

Weniger ist mehr: Tipps gegen die Info-Flut aus dem Web

Hamburg/Berlin (dpa/tmn) – Eine Mail zu bekommen, sorgt im besten Fall für ein angenehmes Gefühl. Sind es aber 30 Mails am Morgen, oder vermeldet der Laptop im Minutentakt eine neue Nachricht, geht vielen neben dem Überblick auch die Aufmerksamkeit verloren – Stress ist die Folge.

Doch die Info-Flut nicht nur aus dem Mail-Fach, sondern aus dem Netz überhaupt, lässt sich bewältigen. Was heißt das? Nicht jeder Newsletter muss gleich gelesen, nicht jede Mail sofort beantwortet werden, sagt Michael Ziegelmayer vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) in Berlin. Sinnvoll sei, Ordner anzulegen, in die eingehende Mails nach Dringlichkeit sortiert werden – um sie später gebündelt durchsehen.

Häufig ist gerade der überfordert, der jede Neuigkeit aus dem Netz mitbekommen will. Aufgrund der großen Informationsmenge sei das aber gar nicht möglich, sagt Ziegelmayer – und rät zu Gelassenheit. Konzentrierte Aufmerksamkeit sei eng begrenzt: Nur etwa ein Fünftel der am Monitor verfolgten Inhalte erreichen das Bewusstsein.

Auch Prof. Sabine Trepte betont: Alles potenziell Interessante konzentriert zu lesen, das geht nicht. Oft reiche es sowieso, einiges nur zu überfliegen. «Das ist Teil des Selektionsprozesses», sagt die Medienpsychologin von der Hamburg Media School. Es gehe darum, ein bestimmtes Info-Spektrum auswählen – «ähnlich wie beim Fernsehen».

Entscheidend ist, zu wissen, welches Ziel man verfolgt, so Trepte. Kommt es einem Anwender vor allem auf politische Hintergrundinfos an, fahre er in der Regel gut, wenn er sich auf zwei, drei ausgewählte Portale beschränkt. Wer sich über das allgemeine Weltgeschehen auf dem Laufenden halten will, kann sogar nur eine Quelle nutzen.

Was aber tun Nutzer, die sich an ihren RSS-Feed-Reader gewöhnt haben – oder auch an einen Dienst wie Google News Alert, der per Mail in Echtzeit über Updates auf News-Seiten informiert? Sie widmen sich laut Trepte am besten zu festen Zeiten konzentriert den Inhalten.

Heiko Sill von der Agentur Intelligenz System Transfer (IST) in Potsdam findet zeitliche Grenzen nicht so hilfreich wie inhaltliche. Wer festlegt, nur dreimal am Tag Mails zu lesen, setze sich stark unter Druck. Klar ist laut dem Diplom-Psychologen aber: Wer jedem Link folgt, ist schnell abgelenkt – und das heißt Stress.

Ein noch stärkerer Stressfaktor sei das Gefühl, die Kontrolle über die eingehenden Infos zu verlieren. Daher gilt: «Nutzer sollten sich die Frage stellen, welche Information aus dem Internet sie tatsächlich benötigen und wie abhängig sie sich davon machen», rät Ziegelmayer. Bei Licht betrachtet, sei vieles verzichtbar.

Das gilt für Newsletter, die oft verschickt werden, nachdem man sich bei einem Web-Kauf registriert hat. Störenfriede sind außerdem Mail-Benachrichtigungen aus Netzwerken wie Facebook oder StudiVZ. In Menüpunkten wie «Privatsphäre» oder «Allgemeine Einstellungen» lassen sie sich abschalten.

Zudem sollten Nutzer überlegen, wie oft sie oder ob sie überhaupt über Instant Messenger erreichbar sein wollen, rät Sill. Und ist die sogenannte Push-Funktion bei E-Mails wirklich nötig? Im Büro wird die Antwort oft «ja» sein, zu Hause nicht unbedingt. «Die Informationen verfolgen einen nicht, man fühlt sich höchstens verfolgt.»

Auch den Hinweiston für neue Nachrichten abzustellen, sei ratsam. Praktisch kann laut Sill ein Filter im Mail-Fach sein, der nur Mails von selbst gewählten Absendern sofort zulässt. «Höchstleistung durch Hemmung», nennt der Psychologe das Prinzip: «Je mehr man ausblendet, desto mehr kognitive Fähigkeiten bleiben für eigentlich Wichtiges.»

Führerschein mit 17 ist ein erfolgreiches Experiment

Berlin (dpa/tmn) – Fahren üben mit Mama oder Papa auf dem Beifahrersitz: Das ist die Idee hinter dem Führerschein mit 17. Während es bei der Einführung vor einigen Jahren viel Kritik gab, zeigt sich inzwischen, dass das «begleitete Fahren» ein Erfolg ist.

Führerscheinneulinge waren dafür berüchtigt, mit viel Tempo und wenig Ahnung Wagen gegen Bäume zu setzen. Deshalb beschloss die Politik vor einigen Jahren, dass bereits 17-Jährige ans Steuer dürfen, wenn ein erfahrener Erwachsener sie begleitet, damit sie Erfahrungen sammeln können.

Nun liegen erste Ergebnisse einer Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in Bergisch Gladbach vor. Dort geht man davon aus, dass die Fahr-Erfahrung der begleiteten 17-Jährigen später das Unfallrisiko um rund 23 Prozent im Vergleich zu «normalen» Fahranfängern senkt. Ähnlich deutlich sinke die Wahrscheinlichkeit, dass schwere Verkehrsverstöße begangen werden.

Das Prinzip hinter dem «begleiteten Fahren mit 17» – kurz BF 17 genannt: Kurz vor Vollendung des 17. Lebensjahres können die theoretische und auch die praktische Prüfung abgeschlossen werden. «Die Fahrausbildung und Fahrprüfung unterscheidet sich nicht von dem herkömmlichen Verfahren», sagt Peter Glowalla von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF) in Berlin. Allerdings gibt es nach dem Bestehen keinen «echten» Führerschein, sondern erst einmal nur eine Bescheinigung.

Mit dieser dürfen 17-Jährige auf dem Fahrersitz Platz nehmen und ein Auto fahren – aber nicht einfach so: Begleitendes Fahren heißt, dass auf dem Beifahrersitz eine zweite Person sitzen muss, die ein paar Grundvoraussetzungen zu erfüllen hat: Sie muss eine gültige Fahrerlaubnis für Personenwagen haben, mindestens 30 Jahre alt sein und darf nicht mehr als drei Punkte auf dem Flensburger Konto haben.

«Ich bin ein Freund des begleiteten Fahrens mit 17, die Anfänger werden damit peu à peu an die Verantwortung herangeführt», sagt Hermann Schenck, Verkehrsexperte der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) in Stuttgart. Und sie lernen die verschiedensten Verkehrssituationen kennen. Wer etwa eine herkömmliche Fahrausbildung im Frühjahr oder Sommer absolviert, hat im nächsten Winter trotzdem keine Erfahrung darin, das Auto bei Eis und Schnee zu steuern. Die begleiteten Anfänger dagegen können das in ihrem ersten Jahr lernen – mit Unterstützung vom Beifahrersitz.

Erste Erfahrungen zeigen aber auch, dass die Möglichkeit bisher noch nicht quer durch die Gesellschaft genutzt wird. Meist handelt es sich um Jugendliche aus einem «heilen» Zuhause, das sie ohnehin in verschiedener Form unterstützt. «Bei den Begleitern handelt es sich in 90 Prozent der Fälle um Väter und Mütter», bestätigt Glowalla. Selten übernehmen Freunde der Familie die Aufgabe. Vorteile haben die gemeinsamen Touren oft auch für ältere Führerscheinbesitzer: Sie gehen oft noch mit dem Bleifuß ans Werk und bekommen nun von den jungen Fahrern Einblick ins spritsparende Fahren.

Auch die Versicherungen beschäftigen sich inzwischen mit den Absolventen des begleiteten Fahrens. Da sie ein geringeres Risiko darstellen als normale Anfänger, wird über spezielle Einstiegstarife nachgedacht. Bei der Allianz in München etwa ist der Absolvent in der Kfz-Versicherung der Eltern kostenlos mitversichert, wenn er oder sie das Elternmobil nutzt. Beim Kauf eines eigenen Autos lässt sich die dabei erfahrene schadensfreie Zeit laut Sprecherin Claudia Herrmann übertragen.

Momentan hat BF 17 eigentlich nur einen Haken: Die augenblickliche Regelung ist bis zum 31. Dezember dieses Jahres befristet. Noch steht nicht fest, ob und wie es weitergeht. Das Bundesverkehrsministerium in Berlin weist darauf hin, man habe die Rahmenbedingungen geschaffen, der Rest sei Sache der Länder. Immerhin betont Sprecher Richard Schild: «Die Richtung wird sein, dass es weitergeht.»

Experimente seit 2005

Begonnen hat das Thema BF 17 im Jahr 2005 mit einem Gesetzentwurf im Bundestag. Nachdem die Sache durch den Bundesrat war, startete Niedersachsen als erstes Bundesland 2006 einen Modellversuch. Dort hatte es schon 2004 einen Versuch nach anderen Bedingungen gegeben. Bis zum Jahr 2008 zogen alle anderen Bundesländer nach.