Totem und Tierhäute – Miró in Münster

Veröffentlicht am Kategorien Starline

Münster (dpa) – Joan Miró hat nicht nur seine verspielten Grafiken in Rot-Gelb-Blau-Grün-Schwarz geschaffen. Er hat auch Tierhäute bemalt und Totems kreiert.

Das Graphikmuseum Pablo Picasso in Münster stellt vom 5. März an viele untypische Zeugnisse des Meisters der Moderne aus. «Wir haben Werke ausgesucht, die nicht monumental sind. Eher Werke, die nicht so in das Klischee des marktüblichen Mirós passen», sagte Museumsleiter Markus Müller . «Etwas jenseits des Mainstreams».

Das Museum zeigt rund 110 Keramiken, Handzeichnungen, Grafiken und Skulpturen des Künstlers. Auch ein Wandteppich, den Miró selbst ankokelte, und Gemälde auf Tierhäuten sind zu sehen. Für seine Skulpturen verarbeitete Miró (1893 – 1983) oft das, was Andere wegwarfen: Kisten, Nägel, Stühle. Sogar eine verdorbene Tomate goss Miró in Bronze und kombinierte sie zu einem Fantasiefigur.

Die Ausstellung zeigt Mirós künstlerischen Werdegang – von den Anfängen bis hin zu seinem Spätwerk. Die Leihgaben stammen von der Maeght-Sammlung in Frankreich, der nach eigenen Angaben größten Miró- Kollektion weltweit. «Miró war experimenteller als Pablo Picasso», sagte Isabelle Maeght vor der Ausstellungseröffnung. Heute hätte er sicherlich mit Videokunst experimentiert, schätzte sie.

Miró und Picasso waren Vertraute. «Sie hatten einen tiefgehenden Respekt füreinander, eine Freundschaft», erzählte Maeght, die Miró persönlich kannte. Schon ihr Großvater war ein Freund und Förderer Mirós. Den Sommer verbrachte der Künstler häufig bei der Familie im französischen Saint-Paul. Miró war stets höflich und immer elegant gekleidet. Er hatte Respekt für andere Künstler: «Ich habe aus seinem Mund nie eine Kritik an einem anderen Künstler gehört», sagte Maeght.

Der «petit monsieur», der Mann von kleiner Statur, sei nur während der Arbeit aufbrausend gewesen, selbst in diesen Momenten aber diskret: «Dann sagte er nur ein Wort, keinen ganzen Satz.» Was seine Arbeit betraf, sei Miró ein «Vulkan» gewesen. Über sich selbst sagte der Künstler: «Wenn ich ein Bild anfange, gehorche ich einem inneren Impuls, den ich körperlich spüre, einem Bedürfnis loszulegen. Es ist, wie wenn da etwas aus meinem Körper hinausmüsste.»

Bei seinen Paris-Besuchen habe Miró zuerst den schon damals gefeierten Picasso besucht. «Er brachte eine katalanische Wurst von seiner Mutter mit», erzählte Müller. Die Familien der Künstler lebten in Barcelona in derselben Straße, man kannte sich. Erst nach dem Tod Picassos habe sich Miró aus der Deckung des künstlerischen «Übervaters» getraut. Miró überlebte Picasso um zehn Jahre, «in dieser Zeit hat man den Eindruck, er triumphierte», sagte Müller.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.