Hamburg (dpa) ­ «Allwissender Gigant», «Imperium» mit «heiklem Datenschatz» – und immer wieder «Datenkrake»: Wenn es um Datenschutz geht, hat Google einen zweifelhaften Ruf – einerseits. Andererseits sind die Dienste des Unternehmens in Deutschland extrem populär. Und auch andere IT-Riesen sammeln fleißig Informationen über ihre Nutzer. Warum polarisiert der Suchmaschinen-Primus so? Sechs Thesen zum «Google-Bashing» – die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte.

DIE WOLLEN NUR SPIELEN

Google ist längst keine Garagenfirma mehr, kultiviert aber sein Tüftler-Image. Die Programmierer dürfen beispielsweise 20 Prozent ihrer Arbeitszeit für Projekte nutzen, die mit ihren eigentlichen Aufgaben nichts zu tun haben. «Es herrscht ein ausgeprägter Ingenieursglaube», sagt Veit Siegenheim, Unternehmensberater und Co- Autor des Buchs «Die Google-Ökonomie». Was technisch möglich ist und nützlich scheint, wird auch gemacht – ohne gleich an den Datenschutz zu denken.

Das geht manchmal schief. Beispiel «Buzz»: Im Februar integrierte Google sein neues soziales Netzwerk in das Mail-Postfach und bediente sich an den Adressbüchern der Nutzer, damit bei «Buzz» gleich etwas los war. Die Crux: Alle Welt konnte damit die Kontakte der Nutzer sehen. Nach Protesten ruderte Google zurück. Man habe den Dienst mit den eigenen Mitarbeitern getestet, sagt der Datenschutz-Beauftragte Peter Fleischer. Bedenken wegen ihrer Privatsphäre hatten die Googler nicht – aber diese seien eben Technik-affiner als der Rest der Welt.

ERST MACHEN, DANN FRAGEN

Google fotografiert für die Straßenansicht «Street View» ganze Städte – wer damit nicht einverstanden ist und das Bild von seinem Haus löschen lassen will, muss selbst aktiv werden. «Bei uns riefen viele verzweifelte Leute an, die von Google auf ein noch in der Entwicklung befindliches Online-Tool für den Widerspruch verwiesen wurden», sagt Marit Hansen vom Landesdatenschutzzentrum Schleswig- Holstein in Kiel.

Erst machen, dann fragen: So hemdsärmelig geht das Unternehmen häufiger vor, etwa beim Einscannen von urheberrechtlich geschützten Büchern oder auch bei «Buzz». Manch einer fühlt sich davon überrollt.

DIE VERKLEMMTEN DEUTSCHEN

Was ist geheim, was ist öffentlich? Die Antwort darauf fällt höchst unterschiedlich aus – je nach Herkunft. In Skandinavien weiß jeder, was der Nachbar verdient; US-Behörden veröffentlichen fast alle Verwaltungsakten sowie Namen und Adressen von Sexualstraftätern. «Deutsche sorgen dagegen sich zutiefst um ihre Privatsphäre», meint der Medienforscher Jeff Jarvis. «Das ist kulturell verankert.» Die Hüllen ließen die Deutschen nur in der Sauna fallen.

Wenn Google ganze Straßenzüge ablichtet und in dem Dienst «Street View» veröffentlicht, stört das in anderen Ländern kaum jemanden – dagegen sorgt das in Deutschland für großes Unbehagen. Jarvis sieht hier allerdings den US-Konzern im Recht: «Die Straße ist ein öffentlicher Ort, also darf Google dort Fotos machen.» Übrigens vermessen auch Microsoft und der Kartenanbieter Navteq mit Kameraautos die Welt.

GESCHÄFTSMODELL: DATEN SAMMELN

Die Daten der Nutzer sind ein wertvoller Schatz. Je besser Google die Vorlieben der Surfer kennt, desto gezielter lässt sich Werbung schalten, desto höher fällt der Umsatz aus. Das Unternehmen betont zudem stets, mit den – freilich anonymisierten Informationen – seine Dienste zu verbessern.

Obwohl Google beteuert, sorgsam mit Nutzerdaten umzugehen und diese keinesfalls zu einem Profil zu verknüpfen, sehen Datenschützer die große Konzentration von persönlichen Informationen in einer Hand skeptisch. «Die Daten sind der Kontrolle der Nutzer und deutscher Behörden entzogen», sagt Marit Hansen. Immerhin: Sie erkennt in letzter Zeit einige «positive Impulse» für mehr Datenschutz, etwa den Dienst «Dashboard», der zumindest Teile der von einem Nutzer gespeicherten Daten übersichtlich zusammenfasst. Allerdings zeigten die jüngsten Hacker-Attacken auf Google-Server, bei denen die Angreifer laut «New York Times» auch den Passwort-Tresor im Visier hatten, dass Risiken bleiben.

IMMER AUF DIE GROSSEN?

Das Internet revolutioniert, wie wir arbeiten, kommunizieren und uns vergnügen – und Google ist der größte Aufrührer. Wer Unbehagen gegenüber der digitalen Welt empfindet, wird auch den Konzern aus dem Silicon Valley skeptisch sehen. Der Internet-Vordenker Jarvis meint auch: «Googles Geschäftsmodell schadet den deutschen Medien – sie suchen nach einem Gegner, dem sie die Schuld dafür geben können.»

PUNKTEN AUF GOOGLES KOSTEN

Politiker und Datenschützer klagen über Google, doch die deutschen Nutzer kümmert es kaum: Die Suchmaschine des Konzerns beantwortet 90 Prozent aller Suchanfragen. «Die Diskussion läuft auf einer anderen Ebene», sagt Googles Datenschutz-Beauftrager Peter Fleischer. Einmal habe er etwa das Gespräch mit einem Datenschützer gesucht, der das Unternehmen dauernd in Interviews kritisierte. Der habe aber nicht mit dem Amerikaner reden wollen. «Er nutzte Google einfach als Begriff, um eine Debatte in Politik und Medien anzustoßen.»

Manch Datenschützer und Politiker kritisiert das Unternehmen also, um sich zu profilieren, vermutet Veit Siegenheim: «Es ist populär auf Google zu schießen, weil außer dem Unternehmen keiner widerspricht.»

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Hamburg (dpa) – Google will einem Medienbericht zufolge mit einem Milliarden-Kauf in das Geschäft mit Internet-Reisediensten einsteigen. Der Suchmaschinen-Spezialist erwäge dafür die Übernahme des Reise-Software-Herstellers ITA Software, berichtet die Finanzagentur Bloomberg am Mittwoch.

Das Unternehmen, das unter anderem auch für den Rivalen Microsoft Reiseprogramme liefert, könnte Google rund eine Milliarde Dollar wert sein. Bloomberg beruft sich dabei auf mit der Sache vertraute Personen, die ungenannt bleiben wollten. Ob die Verhandlungen überhaupt erfolgreich zum Abschluss gebracht werden, bleibe aber abzuwarten.

«Googles Mission ist es, die Welt der Informationen zu organisieren», sagte Henry Harteveldt vom Marktforschungsunternehmen Forrester Research. «Und ITA macht das für den Reisemarkt». Die Software-Werkzeuge des Unternehmens könnte Google nutzen, um Fluginformationen, Reservierungs-Systeme und Ticket-Dienste in seine Suche zu integrieren. Allein in den USA soll der Online-Reisemarkt im vergangenen Jahr einen Umsatz von 88,4 Milliarden Dollar eingebracht haben, heißt es bei Bloomberg.

Microsoft konnte für seine neue Bing-Suche mit Reisediensten zuletzt gut punkten. Nach Angaben von ComScore legten Microsoft mit Partner Yahoo bei der Online-Suche zwischen Februar und März zusammen um 0,3 Prozentpunkte zu. Der große Kuchen entfällt aber weiterhin auf Google.

Trotz eines Rückgangs um 0,4 Prozentpunkte führt Google mit 65,5 Prozent der Suchanfragen nach wie vor unangefochten den Markt an. Dennoch will das Unternehmen mit neuen Übernahmen sein Geschäft ausbauen. Bei einer Kriegskasse, die derzeit mit 26,5 Milliarden Dollar gefüllt ist, dürfte das Unternehmen dafür gerüstet sein.

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Hamburg (dpa) – Auf einer Weltkarte veröffentlicht Google künftig weltweit alle Anfragen von Regierungen zur Löschung von Internetseiten. Ziel sei mehr Transparenz, teilte der Suchmaschinen-Primus mit.

Die Karte zeige, wie viele Anfragen zur Löschung bestimmter Seiten oder zur Herausgabe von persönlichen Nutzerdaten in den jeweiligen Ländern bei Google eingegangen sind. Bei den Löschanfragen rangiert Deutschland mit insgesamt 188 auf dem zweiten Platz hinter Brasilien (291). Das sogenannte «Government Request Tool» erfasst derzeit Daten aus dem Zeitraum zwischen Juli und Dezember 2009.

Staatliche und gerichtliche Eingriffe im Internet nehmen derzeit rapide zu, wie Googles Chef-Justiziar David Drummond in einem Blog-Eintrag schreibt. So sei es keine Überraschung, dass Google wie andere Technologiefirmen regelmäßig Anfragen von Regierungen zum Löschen von Inhalten, etwa von kinderpornografischen Seiten, erhalten. Die meisten Anfragen zur Sperrung oder Herausgabe von Daten seien durchaus legitim. Google gehe es mit dem neuen Werkzeug vor allem darum, die Nutzer besser zu informieren. «Wir glauben, dass größere Transparenz zu weniger Zensur führen wird.»

Die meisten Anfragen zur Herausgabe von Nutzerdaten gingen von Indien (3663), den Vereinigten Staaten (3580) und Großbritannien (1166) aus. In Deutschland registrierte Google 458 Anfragen. Die Weltkarte will Google künftig alle sechs Monate aktualisieren.

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SUNNYVALE (dpa-AFX) – Beim Internet-Urgestein Yahoo <YHOO.NAS> <YHO.FSE> geht es weiter aufwärts. Das Geschäft zog zu Jahresbeginn wieder leicht an, der Gewinn ging nicht zuletzt dank der Suchmaschinen-Kooperation mit dem Software-Riesen Microsoft <MSF.FSE> <MSFT.NAS> steil nach oben. Unterm Strich verdiente Yahoo mit 312 Millionen Dollar mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum.

“Wir hatten ein gutes Quartal” , resümierte Konzernchefin Carol Bartz am Dienstag im kalifornischen Sunnyvale. Der Marktanteil bei der Internet-Suche habe sich stabilisiert, die Anzeigen hätten 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zugenommen. Der Umsatz stieg nach langer Durststrecke um 1 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar.

WERBUNG WICHTIGSTE EINNAHMEQUELLE

Werbung ist Yahoos wichtigste Einnahmequelle. In der Wirtschaftskrise hatten viele Unternehmen ihre Anzeigen zurückgefahren. Das schwächte die ohnehin schon angeschlagene Yahoo. Konzernchefin Bartz strich in ihrer Not rund 2000 Stellen und verbündete sich mit Microsoft. Yahoo nutzt nun dessen Suchmaschine Bing. Im Gegenzug vermarktet das Internet-Urgestein die Werbung.

Im laufenden zweiten Quartal soll der Umsatz weiter auf 1,6 bis knapp 1,7 Milliarden Dollar klettern. Der operative Gewinn soll in etwa stabil bleiben. Nach anfänglicher Euphorie der Anleger drehte die Aktie nachbörslich leicht ins Minus. Bereits Erzrivale Google <GOOG.NAS> <GGQ1.ETR> hatte die Märkte mit seinen exzellenten Zahlen nicht begeistern können. Die Erwartungen liegen hoch.

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NEW YORK (dpa-AFX) – Beim im Januar bekanntgewordenen Hackerangriff auf Google <GOOG.NAS> <GGQ1.ETR> drangen die unbekannten Angreifer nach einem Medienbericht auch in eine zentrale Passwort-Datenbank ein. Dort seien Zugangsdaten zu Millionen Nutzerkonten von Google-Diensten gespeichert, schrieb die “New York Times” am Montag unter Berufung auf eine eingeweihte Person. Passwörter seien offenbar nicht entwendet worden, zudem habe das Unternehmen schnell die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Der Suchmaschinen-Betreiber hatte bislang über die Hintergründe der Attacken, die auch auf andere US-Unternehmen zielten, geschwiegen.

Die Datenbank namens Gaia soll Nutzern ermöglichen, mit einer einzigen Anmeldung auf mehrere Web-Dienste des Unternehmens zuzugreifen, etwa E-Mail und die Textverarbeitung Google Docs. Solche Systeme bezeichnet man als “Single Sign-on” (etwa: Einmalanmeldung).

Die Eindringlinge lasen dem Bericht zufolge keine Passwörter aus, sondern kopierten Programmcodes der Software auf eigene Server. Die “New York Times” spekuliert, dass sie auf diesem Wege für spätere Angriffe Schwachstellen ausfindig machen wollten. Google äußerte sich dazu nicht.

Seinen Ausgang nahm der Angriff laut dem Bericht mit einer Chat- Nachricht an einen Google-Mitarbeiter. Diese enthielt einen Link, der zu einer präparierten Website mit Spionage-Software führte. Als der Beschäftigte sie besuchte, konnten sich die Angreifer zu seinem Rechner und darüber auch zum internen Netzwerk des Unternehmens Zugang verschaffen.

Auch wenn Google offenbar größere Schäden vermeiden konnte, zeigt der Angriff auf die Passwort-Datenbank die Probleme des sogenannten “Cloud Computing” auf. Dabei werden Software-Anwendungen ins Internet verlagert und Daten auf Servern der Anbieter gespeichert. Mangelnde Datensicherheit gilt als einer der größten Einwände gegen den Trend, der derzeit die IT-Branche verändert.

Google informierte die Öffentlichkeit im Januar über die massiven Angriffe, denen auch andere US-Unternehmen zum Opfer fielen, und beschuldigte China, daran beteiligt gewesen zu sein. Als Konsequenz kündigte der Suchmaschinenbetreiber eine neue Politik gegenüber dem kommunistischen Staat an. Unter anderem beendete Google im März die Selbst-Zensur und leitet seitdem Suchanfragen vom chinesischen Festland auf die nicht-zensierte Website in Hongkong um. Der Streit führte zu diplomatischen Spannungen zwischen den USA und China.

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(Neu: Aussagen des Finanzchefs zu nNvestitionen und Übernahmen)

MOUNTAIN VIEW (dpa-AFX) – Trotz aller Probleme mit der chinesischen Regierung, der Konkurrenz und den Behörden bleibt Google <GOOG.NAS> <GGQ1.ETR> eine Geldmaschine. “Google hat sich im ersten Quartal sehr gut geschlagen”, sagte Finanzchef Patrick Pichette am Donnerstag (Ortszeit). Der Internet-Riese mit Sitz im kalifornischen Mountain View verdiente unterm Strich knapp 2 Milliarden Dollar und damit 38 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Die digitale Wirtschaft wachse schnell und deshalb bleibe Google optimistisch, sagte Pichette. Der Konzern verdient sein Geld hauptsächlich mit Werbung im Umfeld von Suchergebnissen. Wegen der schlechten Wirtschaftslage sparten sich viele Firmen längere Zeit die teuren Anzeigen. “Die Werbetreibenden kommen zurück”, sagte der Finanzchef. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 23 Prozent auf 6,8 Milliarden Dollar.

ANLEGER TROTZ MILLIARDENGEWINN UNZUFRIEDEN

Die Anleger zeigten sich ungeachtet der guten Zahlen unzufrieden: Nachbörslich sank die Aktie um 5 Prozent und zog auch die europäischen Technologiewerte am Freitag mit in die Tiefe. Es überwogen die Sorgen, dass Google sich mit neuen Projekten verzettelt. Zudem hatten einige Analysten ein noch besseres Abschneiden erwartet, nachdem das Technologie-Schwergewicht Intel <INL.FSE> <INTC.NAS> sich zu Wochenbeginn in Bestform präsentiert hatte.

Google ist breit aufgestellt und stößt in immer mehr Felder vor. Das führt unweigerlich zu Konflikten. Eines der größten Abenteuer ist das Mobilfunk-Geschäft. Der Konzern hat das Handy-Betriebssystem Android entwickelt und mit dem Nexus One auch ein eigenes Smartphone auf den Markt gebracht. Finanzchef Pichette versicherte, dass das Gerät profitabel sei. Die Stückzahlen liegen weit hinter denen der etablierten Konkurrenz.

Der Vorstoß auf den Handy-Markt hatte zum Krach mit dem iPhone- Hersteller Apple <AAPL.NAS> <APC.ETR> geführt, ehedem ein guter Partner. “Wir hatten eine starke Verbindung zu Apple und wir hoffen, dies in der Zukunft fortsetzen zu können”, sagte Entwicklungschef Jeff Huber. Er reagierte damit auf Spekulationen, Apple könne Google als Suchmaschine von seinem iPhone verbannen und zu Microsofts Bing wechseln.

GOOGLE VERLIERT SUCHMASCHINEN-MARKTANTEILE

Bei der Internet-Suche hatten Microsoft <MSF.FSE> <MSFT.NAS> und Partner Yahoo <YHOO.NAS> <YHO.FSE> im März auf dem US-Markt etwas aufgeholt. Nach Daten des Marktforschers Comscore fiel der Google-Anteil im Vergleich zum Vormonat von 65,5 auf 65,1 Prozent. Zudem machen Google die Sozialen Netzwerke wie Facebook zu schaffen, die massenhaft Zulauf haben.

Spannend bleibt die Situation in China. Google wollte nicht länger die von der Regierung auferlegte Zensur mitmachen und verlegte seine Suchmaschine ins freiere Hongkong. Das führte zu erheblichen Beeinträchtigungen. “Wir glauben, wir haben die richtige Entscheidung getroffen”, sagte Finanzchef Pichette. Das Geschäft in China sei ohnehin vergleichsweise klein gewesen. Es handele sich zudem nicht um einen kompletten Rückzug aus dem Riesenreich, stellte er klar: Die Entwickler und die Vertriebler blieben in China.

MEHR NEUE JOBS UND WEITERE ÜBERNAHMEN GEPLANT

Ungemach droht Google auch aus den Industriestaaten: Datenschützer in Deutschland attackieren das Projekt “Street View”, mit dem Google ganze Städte abfotografiert. Und die US-Wettbewerbsbehörden beäugen die Übernahme des Handy-Werbespezialisten AdMob kritisch. Finanzchef Pichette rechnet dennoch mit der Freigabe.

Trotz aller Widerstände will Google bei der Entwicklung neuer Produkte nicht locker lassen. Der Finanzchef kündigte kräftige Investitionen an und will dafür die Mannschaft weiter aufstocken. Auch Übernahmen stehen auf der Agenda. Allein im ersten Quartal wuchs die Zahl der Mitarbeiter um 800 auf rund 20.600. Leisten kann sich Google seinen Wagemut jedenfalls: Die Kasse ist mit 26,5 Milliarden Dollar prall gefüllt.

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MOUNTAIN VIEW (dpa-AFX) – Trotz aller Probleme mit der chinesischen Regierung, der Konkurrenz und Behörden bleibt Google <GOOG.NAS> <GGQ1.ETR> eine Geldmaschine. “Google hat sich im ersten Quartal sehr gut geschlagen”, resümierte Finanzchef Patrick Pichette am Donnerstag. Der Internet-Riese mit Sitz im kalifornischen Mountain View verdiente unterm Strich knapp 2 Milliarden Dollar und damit 38 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Die digitale Wirtschaft wachse schnell und deshalb bleibe Google optimistisch, sagte Pichette. Der Konzern verdient sein Geld hauptsächlich mit Werbung im Umfeld von Suchergebnissen. In der schlechten Wirtschaftslage sparten sich viele Firmen die teuren Anzeigen. “Die Werbetreibenden kommen zurück”, sagte der Finanzchef. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 23 Prozent auf 6,8 Milliarden Dollar.

ANLEGER UNZUFRIEDEN

Die Anleger zeigten sich ungeachtet der guten Zahlen unzufrieden: Nachbörslich sank die Aktie um schließlich 5 Prozent. Es überwogen die Sorgen, dass Google sich mit neuen Projekten verzettelt. Zudem hatten einige Analysten insgeheim auf ein noch besseres Abschneiden gewettet, nachdem das Technologie-Schwergewicht Intel sich zu Wochenbeginn in Bestform präsentiert hatte.

Google ist breit aufgestellt und stößt in immer mehr Felder vor. Das führt unweigerlich zu Konflikten. Eines der größten Abenteuer ist das Mobilfunk-Geschäft. Der Konzern hat das Handy-Betriebssystem Android entwickelt und mit dem Nexus One auch ein eigenes Smartphone auf den Markt gebracht. Finanzchef Pichette versicherte, dass das Gerät profitabel sei. Die Stückzahlen liegen weit hinter denen der etablierten Konkurrenz.

ÄRGER MIT APPLE

Der Vorstoß auf den Handy-Markt hatte zum Krach mit dem iPhone-Hersteller Apple <AAPL.NAS> <APC.ETR> geführt, ehedem ein guter Partner. “Wir hatten eine starke Verbindung zu Apple und wir hoffen, dies in der Zukunft fortsetzen zu können”, sagte Entwicklungschef Jeff Huber und reagierte damit auf Spekulationen, Apple könne Google als Suchmaschine von seinem iPhone verbannen und zu Microsofts Bing wechseln.

Bei der Internet-Suche hatten Microsoft und Partner Yahoo im März auf dem US-Markt etwas aufgeholt. Nach Daten des Marktforschers Comscore fiel der Google-Anteil im Vergleich zum Vormonat von 65,1 auf 65,5 Prozent. Zudem machen Google die Sozialen Netzwerke wie Facebook zu schaffen, die massenhaft Zulauf haben.

SITUATION IN CHINA BLEIBT SPANNEND

Spannend bleibt auch die Situation in China. Google wollte nicht länger die von der Regierung auferlegte Zensur mitmachen und verlegte seine Suchmaschine ins freiere Hongkong. Das führte zu erheblichen Beeinträchtigungen. “Wir glauben, wir haben die richtige Entscheidung getroffen”, sagte Finanzchef Pichette. Es handele sich aber nicht um einen kompletten Rückzug aus dem Riesenreich, stellte er klar: Die Entwickler und die Vertriebler blieben in China.

Ungemach droht Google auch aus den Industriestaaten: Datenschützer in Deutschland attackieren das Projekt “Street View”, mit dem Google ganze Städte abfotografiert. Die US-Wettbewerbsbehörden beäugen die Übernahme des Handy-Werbespezialisten AdMob kritisch. Finanzchef Pichette rechnet dennoch mit der Freigabe. Trotz aller Widerstände will Google bei der Entwicklung neuer Produkte nicht locker lassen. Der Finanzchef kündigte kräftige Investitionen an und will dafür die Mannschaft weiter aufstocken. Alleine im ersten Quartal wuchs die Zahl der Mitarbeiter um 800 auf rund 20 600. Leisten kann sich Google seinen Wagemut jedenfalls: Die Kasse ist mit 26,5 Milliarden Dollar gefüllt.

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Berlin (dpa) ­ Straßen, auf denen nur Autos bestimmter Hersteller fahren dürfen? Auf denen für Trucks mit Nahrung ein Tempolimit gilt, während Fuhren mit Möbeln oder Kleidung freie Fahrt haben? Undenkbar.

Geht es um das Internet – oft auch als Daten-Autobahn bezeichnet – ist der freie Verkehr hingegen keine Selbstverständlichkeit. Auf der Bloggertagung Re:publica (14. bis 16. April) in Berlin diskutierten am Donnerstag Experten, wie die sogenannte Netzneutralität gewährleistet werden kann. Demnächst wird das Thema auch bei der Bundesregierung auf der Tagesordnung stehen.

Was sich hinter dem sperrigen Begriff verbirgt: Netzbetreiber wie die Telekom, Vodafone oder O2 sollen alle Daten gleich behandeln und keine Inhalte sperren oder bremsen – egal ob der Nutzer gerade Videos auf YouTube anschaut, E-Mails schreibt oder einfach surft.

Das aber ist keine Selbstverständlichkeit. Gerade wenn die Nutzer große Datenmengen saugen, setzen die Anbieter auf Tempolimits und Sperren. Telekom und Vodafone erlaubten ihren Kunden zum Beispiel nicht, den Dienst Skype auf dem Handy zu nutzen – selbst wenn diese einen Pauschaltarif hatten. Denn der Dienst für Internet-Telefonie schadet dem eigenen Geschäftsmodell. Nach einigen Streitigkeiten können Nutzer nun darauf zugreifen – aber nur gegen Aufschlag.

Netzneutralität hilft Wettbewerb

Befürworter sehen Netzneutralität als wichtige Voraussetzung für Wettbewerb und Innovationen. Sie argumentieren, dass das Prinzip «gleicher Zugang für alle» dem Wettbewerb diene – und damit dem Verbraucher. «Die Netzanbieter haben bei ihren eigenen Kunden ein Monopol», sagt Privatdozent Simon Schlauri von der Universität Zürich, der über Netzneutralität habilitierte. Wenn das Unternehmen beispielsweise mit einem Videoportal kooperiere und dessen Konkurrenten aussperre, nutze es diese Alleinstellung aus.

Zudem befeuert dieses Prinzip den technischen Fortschritt: Weil die Kosten für ein eigenes Blog oder ein Web-2.0-Portal recht gering sind, versuchen jedes Jahr Tausende Unternehmer ihr Glück. «Es ist ein gigantisches Spiel von Versuch und Irrtum», sagt Schlauri. Viele scheitern, einige schaffen es – auch heutige Größen fingen klein an. Wenn in den 90er Jahren die Internetanbieter einen Exklusivvertrag mit der damals populären Suchmaschine Altavista abgeschlossen hätten – wer weiß, ob es heute Google gäbe.

Netzbetreiber warnen vor Staus

Die Netzbetreiber wehren sich jedoch gegen eine uneingeschränkte Netzneutralität. Zum einen verweisen sie darauf, dass der wachsende Datenverkehr ohne Regulierung geradewegs in den Stau führen würde. Bereits heute bremsen daher manche Anbieter gezielt; Gigabyte-große Datenpakete von Tauschbörsen beispielsweise liefern sie oft langsamer aus als schlanke E-Mails oder Websites.

Damit nicht genug: Angesichts des rasant wachsenden Datenverkehrs wollen etliche Netzbetreiber zusätzlich eine Art Wegzoll einführen. «Zahlen müssen diejenigen, die die Netze stark beanspruchen», sagte Telekom-Chef René Obermann jüngst dem «Manager Magazin». «Was wäre Google ohne die Netzbetreiber?» Experte Schlauri bewertet das so: «Wenn Google im Internet prächtig Geld verdient, will die Telekom mitverdienen.»

Kein Gesetz zu Netzneutralität

In Deutschland gibt es derzeit kein Gesetz, dass Internetanbieter ausdrücklich zur Netzneutralität verpflichtet. Allerdings hat die Europäische Kommission kürzlich im Rahmen der Telekommunikations- Richtlinie Regeln vorgegeben, welche die EU-Mitgliedstaaten nun in nationale Gesetze gießen müssen. Dabei hat der Gesetzgeber jedoch einigen Spielraum.

Die Richtlinie sieht unter anderem vor, dass der Internetanbieter den Kunden informieren muss, wenn er den Datenverkehr beispielsweise drosselt. Zudem besteht die Möglichkeit, Mindestvorschriften für die Verbindungsgeschwindigkeit zu erlassen. Cara Schwarz-Schilling von der Bundesnetzagentur bezeichnete diesen Rahmen auf der Re:publica als «nützlich». «Wettbewerb dient der Netzneutralität», sagte sie.

Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Club (CCC), forderte dagegen eine weitergehende Regulierung. Der «vielgepriesene Markt» funktioniere zum Beispiel in ländlichen Gegenden kaum, da die Kunden oft nur einen Telefonanbieter zur Auswahl hätten und dessen Bedingungen hinnehmen müssten. Zudem sei der Wechsel zu einem Konkurrenten in Deutschland «ein ziemlicher Alptraum». Druck auf die Unternehmen entstehe so nicht. Entscheiden muss jetzt die schwarz- gelbe Bundesregierung.

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Berlin (dpa) – Sorgt der Markt dafür, dass der Datenverkehr im Internet frei fließen kann – oder muss der Staat eingreifen? In der Frage um die sogenannte Netzneutralität herrschte am Donnerstag auf der Bloggertagung Re:publica in Berlin keine Einigkeit.

Während Verbraucherschützer und der Hackerverein Chaos Computer Club (CCC) genaue gesetzliche Regeln forderten, betonte eine Vertreterin der Bundesnetzagentur, dass Wettbewerb zwischen den Netzbetreibern oft schon ausreiche.

Netzneutralität bedeutet, dass Netzbetreiber alle Daten gleich behandeln und beispielsweise nicht sperren oder bremsen dürfen. Unter Experten gilt das als wichtige Voraussetzung für Wettbewerb und Innovationen im Internet. Derzeit setzen die Unternehmen diese Forderung nicht vollständig um. Beispielsweise sperren Mobilfunkunternehmen Anbieter von Internet-Telefonaten aus, weil das ihrem Geschäftsmodell schadet. Zudem fordern Netzanbieter wie AT&T oder die Deutsche Telekom immer häufiger, Anbieter von Inhalten und Internetdiensten wie Amazon, Google oder eBay für die Beanspruchung der Netze zur Kasse zu bitten.

In Deutschland gibt es derzeit kein Gesetz, dass Internetanbieter ausdrücklich zur Netzneutralität verpflichtet. Allerdings hat die Europäische Kommission kürzlich im Rahmen der Telekommunikations-Richtlinie Regeln vorgegeben, welche die EU-Mitgliedstaaten nun in nationale Gesetze gießen müssen. Dabei hat der Gesetzgeber jedoch einigen Spielraum.

Die Richtlinie sieht unter anderem vor, dass der Internetanbieter den Kunden informieren muss, wenn er den Datenverkehr beispielsweise drosselt. Zudem besteht die Möglichkeit, Mindestvorschriften für die Verbindungsgeschwindigkeit zu erlassen. Cara Schwarz-Schilling von der Bundesnetzagentur hält diesen Rahmen für «nützlich». «Wettbewerb dient der Netzneutralität», sagte sie.

CCC-Sprecherin Constanze Kurz forderte dagegen eine weitergehende Regulierung. Der «vielgepriesene Markt» funktioniere zum Beispiel auf dem Land kaum, da die Kunden oft nur einen Telefonanbieter zur Auswahl hätten und dessen Geschäftsbedingungen hinnehmen müssten. Zudem sei der Wechsel zu einem Konkurrenten in Deutschland «ein ziemlicher Alptraum».

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Paris (dpa) – Ein französischer Bischof hat sich in einem Rechtsstreit gegen die Internetplattform Facebook durchgesetzt. Das Unternehmen muss Einträge von Nutzern löschen, die den Geistlichen übel beschimpfen und beleidigen, berichtete die Zeitung «L’Union» unter Berufung auf den Anwalt des Bischofs.

Zudem forderte das Gericht Facebook auf, die Identität der Autoren preiszugeben. Hervé Giraud, Bischof im nordfranzösischen St. Quentin, war kürzlich Zielscheibe einer antikirchlichen Facebook-Gruppe geworden, die sich selbst den Namen «Nackt in einer Kirche hinter einem Bischof herlaufen» gab. Girauds Foto erschien als Titelbild auf der Webseite mit mittlerweile knapp 24 000 Anhängern. Einige von ihnen drohten dem Bischof auch mit sexuellen Misshandlungen.

Warum das Foto von Giraud auf der Seite auftauchte, war zunächst unklar. Er selbst zeigte sich überzeugt, dass er nicht persönlich gemeint sei, sondern die katholische Kirche, die er repräsentiere. Sein Foto hätten die Autoren vermutlich bei Google gefunden. Die Seite mit dem Foto sollte eigentlich umgehend gesperrt werden, war aber am Mittwochabend noch immer zugänglich.

Facebook-Gruppe: http://dpaq.de/sN8Hw

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